Vorstellung

Evangelisches Bezirkskantorat Leonberg, 2017

Die Große Kreisstadt Leonberg liegt im Landkreis Böblingen, in direkter Nachbarschaft von Stuttgart, verkehrszentral am Schnittpunkt zweier Autobahnen. Die 48.000-Einwohner-Stadt bezieht ihren Reiz aus dem Miteinander von historisch gewachsenem Altstadtkern mit Fachwerkbauten, modern geplanter Stadtstruktur und ländlich anmutenden Teilorten. Am Rande der Altstadt liegt das 1565 erbaute Schloss, das einige Jahre von der Mutter Friedrich Schillers bewohnt wurde. Den Schlossgarten gestaltete der namhafte württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt 1609 in einen berühmten Renaissancegarten. Einst fanden Dichter und Denker in den Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz ein Zuhause wie Eduard Mörike, der Schriftsteller und Komponist Daniel Speer oder der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der im heutigen evang. Pfarrhaus geboren wurde. Weitere bedeutende Persönlichkeiten haben ihren Geburtsort im Kirchenbezirk, so der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler und der Reformator Johannes Brenz in Weil der Stadt.

Im evangelischen Kirchenbezirk Leonberg gibt es 24 Gemeinden, die von 32 Pfarrerinnen und Pfarrern betreut werden. Zum Bezirk gehören die Städte Friolzheim, Heimsheim, Leonberg, Mönsheim, Renningen, Rutesheim, Weil der Stadt, Weissach und Wimsheim mit ihren Teilorten, die teils im Landkreis Böblingen, teils im Enzkreis liegen. Neben zwei hauptamtlichen Kirchenmusikern wirken über 50 nebenamtliche Organisten und Chorleiter in den Gemeinden. Nach den langen Amtsjahren von Gotthold Krämer und Christoph Martin ist seit Anfang 2006 Attila Kalman Bezirkskantor. Er ist Kantor und Organist an der Leonberger Stadtkirche, leitet die Johanneskantorei, den Kammermusikkreis und die Kinderchöre der Gemeinde. Im weiteren organisiert er zahlreiche Konzerte, darunter die monatliche „Stunde der Kirchenmusik“. Zum Bezirksauftrag gehören die Leitung des C-Kurses, die Visitation der Kirchengemeinden zusammen mit dem Dekan, die Durchführung von Fortbildungen und Bezirkssingtagen sowie die Betreuung der Kirchenmusiker im Bezirk.

Vorrangiges Ziel des Bezirkskantors ist die Verjüngung und die Nachwuchsförderung im kirchenmusikalischen Bereich des Kirchenbezirks – sowohl in den Chören als auch unter den Organisten. Es wird im allgemeinen immer schwieriger, junge Leute zum Singen in einem Chor oder zum Erlernen des Orgelspiels zu motivieren. Diesem Problem soll durch attraktive Programme, Projektweise Öffnung der Chöre für Gäste sowie Neugründung und verstärkte Förderung von Kinderchören begegnet werden. Ermutigend ist die Zahl der jungen Nachwuchstalente: Zurzeit nehmen 8 Orgel- und Chorleitungsschüler Unterricht beim Bezirkskantor (C-Kurs und Befähigungsnachweis) mit weiteren Kandidaten in der Warteschleife. Da Attila Kalman seit langem als Komponist, Dirigent und Keyboarder in der deutschen christlichen Popszene arbeitet, liegt es ihm am Herzen, die Gründung und Schulung von Bands und Popchören im Bezirk voranzutreiben. Um all das bewältigen und Ressourcen bündeln zu können, legt der Bezirkskantor großen Wert auf Zusammenarbeit mit Kollegen von Nachbargemeinden, mit der örtlichen Jugendmusikschule und auch mit dem Kirchenmusiker der katholischen Kirchengemeinde. Die Ökumene funktioniert recht gut, dafür stehen mehrere ökumenische Sing- und Posaunenchöre im Kirchenbezirk.

Die Musik spielt auch im Gottesdienstlichen Leben der Leonberger Stadtkirche eine wichtige Rolle. In den Hauptgottesdiensten, im so genannten „Feier-Abend“ am Samstagabend oder in der „Frühandacht zur Marktzeit“ mittwochs, sowie in den Themengottesdiensten “Nachtgedanken” ca. 4mal jährlich sonntagabends haben verschiedene Musiker der Stadt und der Region – auch Laien – die Möglichkeit, mitzuwirken. Bei Konzertanfragen werden Musiker, Ensembles und Chöre aus dem Umfeld bevorzugt. Daneben gibt es natürlich auch große Konzerte mit weltbekannten Künstlern, wie z.B. mit Giora Feidman oder Ludwig Güttler in den letzten Jahren. Die wichtigsten Säulen der kirchenmusikalischen Veranstaltungen sind allerdings die großen Konzerte der Johanneskantorei und des Kammermusikkreises mit bedeutenden oratorischen Werken der Musikliteratur.

Das zentrale Anliegen, den Gottesdienst zum wichtigsten geistlichen Erlebnis für jedes Gemeindeglied werden zu lassen, verpflichtet Kantor und Pfarrer zur engen und intensiven Zusammenarbeit. Die Vertiefung dieses Dialogs auf Ortsebene ist tägliches Brot der Beteiligten, es ist aber auch wichtig, sich im größeren Rahmen austauschen zu können. Dafür organisiert Bezirkskantor Kalman zusammen mit der Pfarrerin für Kirchenmusik im Kirchenbezirk, Regine Gruber-Drexler aus Leonberg-Eltingen, verschiedene Treffen von Kirchenmusikern und Pfarrer. Ein weiterer wichtiger Ansprechpartner für Attila Kalman ist Martin Jäckle, der Bezirksposaunenwart. Fast fünfhundert Bläser spielen in den Posaunenchören des Leonberger Kirchenbezirks.

Die Wirkung der Kirchenmusik in Leonberg und Umgebung reicht weit in die politische Gemeinde hinein. Regelmäßige Gespräche und gemeinsame Konzertprojekte mit dem Kulturamt der Stadt sowie Kooperationen mit Schulen und Kindergärten sind nur einige Beispiele. Das Amt des Kirchenmusikers ist ein öffentliches Amt, im besten Sinne des Wortes. Sein Ziel ist und bleibt, Gottes Lob zu mehren, das geistliche und kulturelle Leben der Gemeinde zu bereichern, junge Menschen für das aktive Musizieren und Singen zu begeistern und damit auch in der Öffentlichkeit zu wirken.